Geschichte vor der Haustür: LMG-Schülerinnen und Schüler eröffnen digitale Ausstellung über „Displaced Persons“ in Varel
Geschichte vor der Haustür: LMG-Schülerinnen und -Schüler eröffnen digitale Ausstellung über „Displaced Persons“ in Varel
(Lü) Ein nahezu vergessenes, zugleich aber bedeutendes Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte direkt „vor unserer Haustür“ wurde nun wieder sichtbar gemacht: Am 30. April wurde am Lothar-Meyer-Gymnasium die Ausstellung „Displaced Persons in Varel“ feierlich eröffnet.
Fast zwei Jahre lang haben Schülerinnen und Schüler des Seminarfachs „Geschichte vor der Haustür“ unter der Leitung von Herrn Lütje gemeinsam mit Studierenden der Universität Osnabrück, betreut von Herrn Dr. Huhn, intensiv geforscht. Das beeindruckende Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist eine digitale Ausstellung, die ab sofort für alle Interessierten online zugänglich ist.
Was heute nur noch wenigen bekannt ist: Auf dem ehemaligen Vareler Kasernengelände befand sich von 1950 bis 1959 das größte Altenheim Europas für sogenannte Displaced Persons (DPs). Mehr als 1.500 Menschen, die infolge des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verloren hatten, lebten dort. Es handelte sich überwiegend um ältere Menschen aus Osteuropa, die durch Krieg, Verfolgung oder Krankheit gezeichnet waren und von keinem anderen Staat aufgenommen wurden.
Für das Projekt wertete das Team u.a. die Meldekartei des Heimat- und Stadtarchivs Varel aus, suchte nach alten Fotos oder auch nach Zeitzeugen. Dabei wurde die Vielfalt dieser Gemeinschaft sichtbar: Die Bewohnerinnen und Bewohner stammten aus mindestens 13 verschiedenen Ländern. Unter ihnen befanden sich NS-Verfolgte und ehemalige Zwangsarbeiter ebenso wie Flüchtlinge vor dem Stalinismus und ehemalige Kriegsgefangene.
Die feierliche Eröffnung der virtuellen Ausstellung wurde am LMG durch einen interaktiven „Museumsgang“ begleitet. Mithilfe großformatiger Schautafeln und Plakate konnten die Gäste bereits erste Einblicke in die Forschungsergebnisse gewinnen.
Wir sind stolz auf das außergewöhnliche Engagement unseres Seminarfachs, das mit diesem Projekt einen wertvollen Beitrag zur regionalen Erinnerungskultur geleistet hat.