Den Opfern zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung

(Wm) Am 21. Januar besuchte der 10. Jahrgang des Lothar-Meyer-Gymnasiums die Gedenkstätte Esterwegen, um sich über die Verbrechen des Nationalsozialismus zu informieren und den Opfern des NS-Regimes zu gedenken. Der Besuch stand im Zeichen des Erinnerns, des Verstehens und der Verantwortung.

Während des Besuchs lernten die Schülerinnen und Schüler die bewegte Geschichte der Emslandlager (1933-1945) kennen. Sie erkundeten das historische Gelände des Konzentrationslagers Esterwegen und setzten sich mit einzelnen Biografien ehemaliger Inhaftierter in der Ausstellung der Gedenkstätte auseinander.

Bei der abschließenden Gedenkveranstaltung fanden Elias Tekeste (10b) und Yordis Engels (10b) eindringliche Worte an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung“ – mit diesem Satz des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eröffnete Elias seine Rede. Worte, die verdeutlichen, warum die Auseinandersetzung mit Orten wie Esterwegen bis heute notwendig ist. Denn auch wenn das Gelände heute ruhig wirke, so betonte Elias, trage es eine erschütternde Geschichte: „Hier standen einst Zäune, Wachtürme und Baracken. Hier haben Menschen gelitten, gehofft, Angst gehabt.“

Yordis erinnerte in seiner Gedenkrede an die unvorstellbare Dimension der NS-Verbrechen, die in der systematischen Ermordung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden endete. Doch Zahlen allein erfasse das Leid der Opfer nicht, gab Yordis seinen Mitschülerinnen und Mitschülern zu bedenken: „Hinter jeder Zahl stand ein Mensch. Einer wie wir – jemand, der gelacht hat, Angst hatte, jemanden vermisst hat. Jemand, der Träume hatte, die nie Wirklichkeit wurden. Viele der Opfer waren Jugendliche in unserem Alter.“

Der Besuch machte deutlich, dass es nicht nur um die Vergangenheit geht, sondern auch um die Gegenwart und Zukunft. Die Geschichte der Emslandlager zeigt, wohin Hass, Ausgrenzung und Gleichgültigkeit führen können – und wie schnell Menschenrechte verschwinden, wenn niemand widerspricht. Elias brachte dies abschließend auf den Punkt und appellierte an seine Mitschülerinnen und Mitschüler: „Wir sind die Generation, die entscheidet, wie wir miteinander umgehen wollen. Ob wir wegsehen, wenn jemand ausgegrenzt wird. Oder ob wir uns wehren. Ob wir schweigen, wenn Ungerechtigkeit geschieht. Oder ob wir unsere Stimme erheben.“

Der 10. Jahrgang kehrte mit vielen Eindrücken, Fragen und Gedanken zurück – und mit der Erkenntnis, dass Erinnerung nicht im Stillen endet, sondern Konsequenzen für unser Handeln im Hier und Heute haben muss.