Volkstrauertag am vergangenen Wochenende im Bundestag, Berlin

(Sf) In diesem Jahr hatte der Volksbund Tobias Tholen, Stephanie Schönfeldt sowie ihre Eltern Karin und Wolfgang Schönfeldt für ihr Engagement in der Friedensarbeit eingeladen, an der zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag teilzunehmen.

Nachdem Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle 1963 den Élysée-Vertrag als Grundlage der deutsch-französischen Freundschaft unterzeichnet hatten, gehörten Karin und Wolfgang Schönfeldt zu den Ersten, die in den 1960er-Jahren verwahrloste deutsche Soldatengräber in Frankreich herrichteten und gepflegt hatten. Das Engagement für die Friedensmahnung wird seit 2018 von Stephanie Schönfeldt am Lothar-Meyer-Gymnasium im Rahmen der Haus- und Straßensammlung für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge fortgesetzt.

Für sein besonderes Engagement wurde Tobias Tholen von der Bezirksreferentin Kristina Seibel zur Teilnahme an der zentralen Gedenkveranstaltung im Bundestag eingeladen. Tobias hat in den vergangenen drei Jahren über 2.000 Euro gesammelt – Mittel, die der Volksbund unmittelbar für seine Friedensarbeit einsetzen konnte. In diesem Herbst ist Tobias bereits zum vierten Mal an der Sammlung zugunsten der Kriegsgräberpflege und der Friedensprojekte des Volksbundes beteiligt.

 

Volkstrauertag – zentrale Gedenkstunde im Deutschen Bundestag

Musikalisch gestaltet wurde die Feierstunde von der Mädchenkantorei am Bremer Dom. Die ausgewählten Musikstücke sowie die bewegenden Reden junger Europäer verliehen der Veranstaltung einen besonders würdevollen Rahmen. Die jungen Redner betonten die gemeinsamen Werte, die uns Europäer verbinden – Werte, die weit bedeutender sind als nationale Zugehörigkeiten oder andere trennende Kategorien. Es sei kein Privileg, sondern ein Glück, in einem freien Europa leben zu dürfen und auf 80 Jahre Frieden zurückblicken zu können. Gleichzeitig führen uns der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Gewalt im Nahen Osten vor Augen, dass Frieden niemals selbstverständlich ist. Kriege entstehen aus Vorurteilen, Hass, Intoleranz und Gewalt. Auch die diskriminierende Ausübung der Meinungsfreiheit, insbesondere in den sozialen Medien, müsse klare Grenzen finden, wenn Menschenrechte verletzt oder verbale Verachtung und Gewalt verbreitet werden.

Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella (geboren im Kriegsjahr 1941) erinnerte an die geschätzten 60 Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs. Diese Zahl, so betonte er, stehe nicht für eine abstrakte Größe, sondern für 60 Millionen einzelne Menschen, deren Leben durch den Krieg beendet wurde. Mattarella hob die gemeinsame Verantwortung für den Erhalt des Friedens hervor und rief dazu auf, die heute so wichtige Friedensarbeit in Deutschland und Europa fortzusetzen: „Lassen wir es nicht zu, dass der europäische Traum, unsere Union, von Nachahmern dunkler Zeiten zerrissen wird – Zeiten, die Leid, Elend und Trostlosigkeit hinterlassen haben.“

Anschließend sprach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Totengedenken und erinnerte dabei insbesondere an die Millionen zivilen Opfer, die neben den unzähligen gefallenen Soldaten ihr Leben verloren haben. Auch wenn an diesem Tag traditionell der Toten gedacht wird, dürfen die Überlebenden der Gewaltherrschaft – Waisen, Flüchtlinge, Deportierte und viele andere – nicht vergessen werden.

Nach dieser bewegenden Gedenkstunde war es etwas ganz Besonderes, im Angesicht der aufgestellten Kreuze sowie der deutschen und europäischen Flagge die Nationalhymne zu singen. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ – ein immerwährender Auftrag für Gegenwart und Zukunft.