Zur Person Lothar Meyer
Wer war Lothar Meyer ?
 | Lothar Meyer (1830-1895) | von
Tom Otten
Lothar Meyers Ausbildungsjahre
Julius Lothar Meyer wurde am 19. August 1830 als viertes von sieben Kindern
eines Kreisarztes in Varel geboren. Er besuchte zunächst eine Privatschule und
ab 1841 die auf Betreiben seines Vaters gegründete höhere
Bürgerschule. Mit 14 begann er unter schweren Kopfschmerzen zu leiden; deshalb
wurde ihm von seinem Vater sämtliche geistige Tätigkeit untersagt. Nach einem
Jahr besserte sich sein Zustand jedoch, und er wechselte auf ein Oldenburger
Gymnasium. Dort war Lothar einer der besten Schüler. Er liebte besonders die
alten Sprachen, beschäftigte sich jedoch auch gerne mit Naturwissenschaften
und Mathematik.
Am 8. Mai 1851 bestand Meyer sein Abitur und beschloss zunächst wie sein
Vater Arzt zu werden. Er studierte Medizin in Zürich und Würzburg und promovierte
am 25. Februar 1854 zum Dr. med. Er wollte sein chemisches Wissen erweitern,
also ging er zu Bunsen in Heidelberg. Dort lernte er viele junge Chemiker kennen,
die später noch berühmt wurden, wie z. B. Kekule, dem Mitbegründer der Strukturchemie
oder dem Pionier der Farbstoffchemie v. Baeyer. Nach einer kurzen Zeit in Königsberg
promovierte Meyer 1858 mit einer Arbeit über die Einwirkung von Kohlenmonoxid
auf Blut zum Dr. Phil. Am 21. Februar 1859 habilitierte er sich in Breslau für
Physik und Chemie mit einer Schrift über die chemischen Lehren von Berthollet
und Berzelius. Damit schloss er seine Ausbildung ab.
 | Lothar Meyers Geburtshaus in der Neumühlenstraße (2005) | Lothar Meyers Leben und Wirken als Universitätslehrer
Bis 1866 unterrichtete er in Breslau, um daraufhin im August dieses Jahres
Johanna Volkmann, die Tochter eines berühmten Chirurgen zu heiraten. Mit ihr
hatte er vier Kinder. Nach weiteren 10 Jahren in Eberswalde und Karlsruhe nahm
Lothar Meyer 1876 einen Ruf als Lehrstuhlinhaber der Universität Tübingen an
und hat diesen Ort dann beruflich nicht mehr verlassen. Bis dahin hatte er sich
auf modere Theorien der Chemie spezialisiert und sich in eine Arbeit über das
Periodensystem der Elemente vertieft. Seine Professur erhielt er am 1. März
1876.
Meyers Name führte viele Studenten nach Tübingen. Viel gerühmt war sein laboratorisches
Geschick. Er versuchte experimentelle Grundlagen für bestimmte Fragen in Zusammenhang
mit dem Periodensystem zu erschaffen. Im Mittelpunkt stand die Ermittlung von
Atommassen, deren Bestimmungsmethoden er ständig verbesserte. Im Jahre 1883
erschien hierzu das in Zusammenarbeit mit Seubert verfasste Werk: Die Atomgewichte
der Elemente.
Ihm wurden viele Orden verliehen, wie zum Beispiel das Ehrenkreuz der Württembergischen
Krone. Für das Studienjahr 1894/95 wählten ihn seine Kollegen zum Rektor magnificus
der Universität Tübingen. Am 11. April 1895 verstarb er als 65 jähriger unerwartet
infolge eines Gehirnschlages. Heute verehren wir Lothar Meyer nicht nur als
Mitschöpfer des Periodensystems, sondern auch als Wegbereiter der physikalischen
Chemie.
Wie das Lothar-Meyer-Gymnasium zu seinem Namen kam
Der folgende Ausschnitt stammt aus einer im Jahre 1995 von Herrn Punzel,
einem ehemaligen Lehrer an unserer Schule, gehaltenen Rede.
Herr Punzel: Vor nunmehr 25 Jahren kam ich auf der Suche nach einer Bleibe
für länger an das Gymnasium in Varel, das damals schlicht "Gymnasium Varel"
hieß. Ich unterrichte in den Fächern Mathematik und Physik. (...)
[Während
des Unterrichts Anfang der 70er kam die Sprache auf ein gewisses chemisches
Element und ich "belehrte" meine Schüler:] "Sie wissen hoffentlich,
daß [das] Periodische System der Elemente zuerst von dem Deutschen Meyer und
dem Russen Mendelejew angegeben wurde, die es unabhängig voneinander fanden."
Ein Schüler meldete sich: "Lothar Meyer ist hier in Varel geboren!"
"Das glaube ich nicht !" Leicht gekränkt zurück: "Sie trauen
es wohl Varel nicht zu?" "Nein, das ist es nicht, aber dann hätte
ich doch hier schon irgendein Denkmal, irgendein auf Lothar Meyer hinweisendes
Zeichen finden müssen!" Zuhause angekommen habe ich dann (...) in einem
alten Lexikon nachgesehen: Tatsächlich ! "Lothar Meyer, Chemiker, geboren
am 19. August 1830 in Varel, ..., erkannte die Eigenschaften der Elemente als
periodische Funktionen der Atomgewichte, ..." Kein Zweifel! (...)
In der nächsten Physikstunde habe ich mich dann wohl etwas reichlich unakademisch,
ja unvorsichtig geäußert: "Das ist ja unglaublich, daß die Stadtväter es
nicht einmal fertiggebracht haben, diese Schule nach Lothar Meyer zu benennen!
Das kenne ich aber aus meiner Heimat anders! Dort trägt das Gymnasium selbstverständlich
den Namen des großen Sohnes der Stadt!" (...)
Eben dieser Schüler, der mich darauf aufmerksam gemacht hatte, daß Lothar
Meyer in Varel geboren wurde, stellte [daraufhin] wenig später als Schülervertreter
in der Gesamtkonferenz den Antrag, dem Gymnasium den Namen "Lothar-Meyer-Gymnasium"
zu geben. (...) Nachdem man [in den übergeordneten Behörden] festgestellt hatte,
daß Lothar Meyer ein unbescholtener Mann war, auch schon lange tot war, dazu
ein ganz und gar politisch unbescholtener Mann war, vielleicht aber auch, daß
er ein Mann mit großem wissenschaftlichen Verdienst war, gab man grünes Licht
für diesen Antrag. So kam es, daß im Jahre 1975, als der Antragsteller schon
längst die Schule als Abiturient verlassen hatte, das Gymnasium in Varel nach
Lothar Meyer benannt wurde.
Weitere Informationen zu Lothar Meyer
Alfred Feldmann (Abi 1954) hat einen Artikel über Lothar Meyer und sein Periondensystem geschrieben und 2004 in der Abiturzeitung: 50 Jahre Abitur, Oberschule für Jungen/LMG 1954-2004 (1671 kB) auf S. 26ff veröffentlicht.
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