Lothar-Meyer-Gymnasium Varel

Besser spät als nie...

denn diese Begegnung ist definitiv immer noch erwähnenswert!

(20.6.14, Ko) Vom 23. April bis zum 1. Mai hatten wir den georgischen Tutarchela Jugendchor bei uns in Varel zu Besuch und dieser hinterließ einige Spuren.

Vor der Besuchswoche fragte ich eine der georgischen Schülerinnen, was sie sich von Deutschland verspricht und sie antwortete einerseits Erfolg für ihren Chor, andererseits Erfahrungen, die sie nicht wieder vergessen wird und Freundschaften, die lange halten werden. Die erste Erwartung realisierte sich sofort: Der Chor nutzte jede Gelegenheit eines Auftritts, ob in der Vareler Innenstadt (und auf dem Weg dorthin), auf der Etta von Dangast, in der Mensa, in der Kirche und am Strand - und überall war das Publikum begeistert. Besonders der Fakt, dass wir nicht verstanden haben, wenn sie sich abgesprochen haben zu singen, ließ uns überrascht mit einer Gänsehaut verstummen, wenn (für uns ohne Vorwarnung) plötzlich ein mehrstimmiger Gesang mit enorm kräftigem Volumen erklang.

21 junge Menschen, die so viel Spaß und Leidenschaft in ihren Gesang legen, das hatten wenige erwartet als sie von dem Besuch erfuhren. Und die Offenheit und Freundlichkeit dieser Jugendlichen führte dann auch dazu, dass die zweite Erwartung erfüllt wurde. Die deutschen und die georgischen Chormitglieder verbrachten viel Zeit miteinander. Wir hatten Programmpunkte, die von Stadtaufenthalten über eine Fahrt mit der Etta bis zu einem Besuch bei dem „König der Löwen"-Musical führten und dazwischen war genug Zeit um selbst die Stunden zu gestalten, dies wiederum bedeutete also DVD-Abende, Fußballspiele neben dem Waldstadion, Pizza essen und auch Krabben pulen, das einige der Besucher als Talent bei sich entdeckt haben! Man hatte genug Zeit sich kennenzulernen und es bildeten sich Freundschaften. Wir sprachen zwar hauptsächlich Englisch miteinander, es war nur eine Tochter einer Deutschlehrerin dabei, mit der man sich gut auf Deutsch unterhalten konnte und unser georgischer Wortschatz war leider etwas beschränkt (Gamarjoba - ki - ara - madloba – arafers, sind ein paar Wörter die hängen geblieben sind), doch die Sprache war kein Hindernis. Um es mal etwas kitschig auszudrücken: Musik ist auch eine Sprache! Und die Hemmschwelle zu überschreiten hat nicht lange gedauert, denn Vorurteile suchte man bei den Jungen und Mädchen vergeblich: verschiedenste Charaktere trafen in diesem Chor aufeinander und wenn sich jemand Sorgen machte, dann sorgte er sich auch wirklich und wenn er sich über etwas freute, spielte er das nicht. Natürlich kann ich das nicht zu 100% sagen, doch was man in ihren Augen gelesen hat, war Ehrlichkeit und das bestätigten auch Heike Kühl und ihre Tochter Charlotte (die seit knapp 3 Jahren in Georgien leben). Heike Kühl und Birgit Plaß haben, unter anderem mit Herrn Kollstede und Tamar Buadze, ein gutes Programm für diese 9 Tage zusammengestellt, wo Musik und Gesang natürlich nicht zu kurz kamen, wir hatten schließlich Proben für das gemeinsame Konzert am 29. April.

Während eines Besuchs bei Radio Knackfrosch durften wir von unseren bisherigen Erfahrungen mit den Gastschülern berichten und zwei von uns Deutschen erzählten, was aufgefallen war: „Die frühstücken nicht." oder „Die wollen nach einem anstrengenden Tag abends nicht schlafen, sondern immer etwas unternehmen." Und somit lernten wir etwas über die georgische Kultur. Zum Beispiel, dass sie morgens nie viel Essen, bei denen hat Mittagessen oder Abendessen mehr Bedeutung oder auch, dass es tagsüber bei denen im Sommer viel zu heiß ist, daher verbringen sie den Tag eher drinnen und schwärmen abends aus um sich zu treffen. Weiteres über ihre Kultur brachten sie in Form von Süßigkeiten und Keksen mit. Die Bahlsen-Kekse waren aber wiederum eine ihrer Entdeckungen über unsere Kultur, ebenfalls neu für sie war das geregelte Straßensystem, die niedlichen Liebesschlösser, die sie an den Landungsbrücken gesehen haben, deutsche Brötchen und leider auch Nebel und Tau am Morgen. Doch eigentlich hatten wir mit dem Wetter ziemlich Glück. Vermutlich dank dem Chor, denn nach der Abreise zog es sich bei uns wieder ordentlich zu.

Viel mehr bleibt mir bald nicht mehr zu sagen: Viele Informationen sind in Zeitungsartikeln und im Internet nachzulesen und der Chor hat auch eine Facebook-Seite, die sich über „Gefällt mir"-Angaben freuen würde. Und auf der Seite von Herrn Kollstede kann man sich die gemeinsamen Stücke anhören/angucken und vielleicht erkennt man bei einigen unserer Chormitglieder, dass sie sich ein Vorbild an den Tutarchela Chormitglieder genommen haben.

Doch eines muss ich noch loswerden: Madloba (Danke) an alle Gastschüler aus Georgien, denn ihr seid mir wirklich ans Herz gewachsen in dieser sehr kurzen Zeit. Ihr habt mir eine Ausstrahlung gezeigt, die ich sehr bemerkenswert finde und mir definitiv das Gefühl gegeben, mehr als nur die Unterkunft für eure Reise zu sein. Georgien steht nun definitiv auf der Liste meiner Wunschziele und ich habe das Gefühl, der Kontakt wird nicht allzu schnell verstummen.

(Text von Mareike Dieluweit)